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App-Overkill

Eine der ersten Fragen, die Lehrer für gewöhnlich an mich richten, wenn ich sie im Umgang mit iPads schule, ist: „Welche Apps benutzt ihr?“. Dabei ist es aus meiner Sicht weniger entscheidend, welche Apps zur Verfügung gestellt werden, als dass die Nutzung des iPads in eine sinnvolle, Mehrwert generierende Lernumgebung eingebettet wird.

Bei rund 2 Millionen Apps im App Store kann es zugegebenermaßen schwierig sein, die „richtigen“ Apps für die eigene Schule zu finden. Aus diesem Grund erfreuen sich App-Sammlungen großer Beliebtheit. Dort werden die vermeintlich besten Apps für den Schulgebrauch aufgelistet, und es entfällt eine langwierige Reise durch den App Store.
Allzu leicht verfällt man dann aber der Versuchung, alle Apps herunterzuladen – es gibt ja schließlich „für alles eine App“ und man will gut gerüstet sein. 
pedagogy_wheelEin bekanntes Beispiel hierfür ist „The Padagogy Wheel“ von Allen Harrington (University of Adelaide).
Leider wird hierbei jedoch vergessen, dass das iPad seinen Mehrwert nur dann ausspielen kann, wenn es als individuelles Lern-Werkzeug des Schülers angesehen wird, welches in unterschiedlichen Situationen höchst personalisiert eingesetzt werden kann. Eine App, die in der einen Schule oder bei dem einen Schüler funktioniert, muss also noch lange nicht für eine andere Schule oder einen anderen Schüler funktionieren. Warum das so ist, möchte ich anhand eines Vergleichs mit dem Werkzeug Hammers verdeutlichen:

Ein Hammer ist ein händisch oder maschinell angetriebenes Werkzeug, das unter Nutzung seiner beschleunigten Masse (meist) schwere Schläge auf Körper ausübt. Bei von Hand geführten Hämmern wird dieser je nach seiner Masse und genutzter Stiellänge nach dem Heben (Ausholen) aus dem Hand-, Ellbogen- oder Schultergelenk – oder bei beidhändigem Halten aus dem Oberkörper – heraus beschleunigt. (Wikipedia)

Handwerklich unerfahrenen Mitmenschen wird bei dem Begriff „Hammer“ der typische „Allzweck-Hammer“ (der sog. Schlosserhammer) in den Sinn kommen, mit dem man Nägel einschlagen kann. Fragt man jedoch Handwerker, wozu sie den Hammer nutzen, werden die Antworten vielfältigste Nutzungsmöglichkeiten offenbaren – und das Öffnen von Bierflaschen ist wahrscheinlich eine der langweiligeren. Hinzu kommt, dass Hammer sehr unterschiedlich geformt sein können, um spezifischen Herausforderungen gerecht werden zu können. So nutzen Schreiner ganz andere Hammer als Zimmermänner, Polsterer, Goldschmiede, Fliesenleger, Abbruchspezialisten, Maurer, Steinmetze, Automechaniker, …

Warum sollte also ein und die gleiche App allen Schülern beim Lernen gleich gut weiterhelfen?  Auch hier sind die individuellen Anforderungen an „Lernwerkzeuge“ (hier Apps) höchst unterschiedlich und bedürfen einer individuellen Auswahl.
Aus diesem Grund weisen wir die Eltern an unserer Schule darauf hin, dass neben den Standard-Apps, die über eine MDM-Lösung allen Schülern bereitgestellt werden und in der monatlichen Leihgebühr enthalten sind, weitere Apps sinnvoll sein können. Erachtet es also der Schüler oder der Lernbegleiter für sinnvoll, eine App zu nutzen, die nicht über die Schule bereitgestellt wird, wird dies den Eltern kommuniziert und der Kauf dieser App empfohlen.
Alle anderen Apps aus unserem App-Curriculum sind „Universal“-Apps, die in den unterschiedlichsten Situationen und Fachbereichen Anwendung finden können. Dies fordert Lernende dazu heraus, Apps bewusst in Hinblick auf ihren Mehrwert in bestimmten Lernsituationen einzusetzen (vgl. SAMR-Modell vor Ruben Puentedura).

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